Pressemitteilung zur Veranstaltung am 19.04.18

By April 22, 2018Verschiedenes

DITIB – Erdogans Arm in Hachenburg ? – Auswirkungen auf Kinder- und Jugenderziehung

Dieser Frage ist die Islamismus-Analystin Sigrid Herrmann-Marschall am 19.04.2018 in der Stadthalle Hachenburg nachgegangen. Sie stellt heraus: Der Islam ist vielfältig und auch in der Türkei gibt es viele verschiedene Strömungen. Die DITIB vertritt nur einen Teil türkischer Muslime, nämlich den, der die Angebote der DITIB wie Imame oder finanzielle Unterstützung annimmt.

Islamismus ist der Begriff für den politischen Islam. Auch die Religionsausübung nach Art. 4 (2) GG ist nicht schrankenlos: andere Grundrechte können berührt sein und den Ausschlag geben. Durch den Art. 4 (2) sind jedoch Handlungen geschützt, die zum Wesenskern religiöser Ausübung zählen. Die Hachenburger Muslime haben sich dem Dachverband aus freien Stücken angeschlossen. Wenn andere Bürger ihr Recht auf freie Meinungsäußerung ausüben, so berührt das die Freiheit der Religionsausübung nicht. Ein Recht darauf, von Kritik an selbstbestimmten Handlungen ausgenommen zu bleiben, gibt es schlicht nicht.

Die Moschee-Gemeinde in Hachenburg hat sich vor 4 Jahren, nachdem sie schon vorher ohne eine solche Anbindung bestand, dem Dachverband DITIB freiwillig angeschlossen. Die DITIB ist fest über die Satzung an die türkische Religionsbehörde gebunden. Entscheidungen in der Türkei haben so auch Auswirkungen auf die einzelnen DITIB-Gemeinden.

Nicht seltene autoritäre Erziehungsmuster begründen manchmal nicht genügend Widerstandkraft gegen fragwürdige Haltungen. So manches Mal werden im Elternhaus schon nationalistische Züge bewusst gefördert. Insbesondere die Beeinflussung von Kindern und Jugendlichen durch Inhalte, die aus der Türkei mitbestimmt werden, gibt Grund zur Sorge. Inhalte, die eine abschottende Wirkung entfalten können, erschweren die Integration. Solche Inhalte zeigen sich in „Märtyrer-Comics“ und in erschütternden Bildern aus anderen DITIB-Moscheevereinen. Das sind keine Einzelfälle.

In der Türkei wird aktuell die Religion erheblich als Werkzeug der Politik benutzt. Auch das bleibt nicht ohne Auswirkung auf hiesige Gemeinden. Die DITIB hat sich unter der Führung Erdogans nach rechts bewegt. Sie wird daher bundesweit als Kooperationspartner in Frage gestellt. Der DITIB-Islam wurde in den letzten Jahren nicht nur zunehmend politisch, sondern auch islamistischer.

Islamistische und nationalistische Haltungen werden auch von Akteuren in DITIB-Moscheen vertreten. Auch wird vielfach das Osmanische Reich als ideale Zeit beschworen. Videos über türkische Zukunftsvorstellungen zeigen auf, dass von einem neuen großtürkischen Reich geträumt wird. Auch Militär-Propaganda findet in DITIB-Moscheen statt. Solche Einstellungen werfen Schatten auf die Zukunft: Wie kann Völkerverständigung gelingen, wenn solche Feindbilder in Kinderköpfe gesetzt werden?

In Hachenburg stellt sich die Frage: Ist das ein Dachverband, dem man wirklich folgen will? Stehen die Hachenburger Muslime hinter diesen Haltungen und Handlungen? Möchten sie sich mit diesen Haltungen identifizieren? Die Diskussion wird weitergehen.